AUFSTIEG UND WIRTSCHAFTSNOT

Freud und Leid gingen in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre Hand in Hand in der Saarpfalz. Einerseits gelang dem Homburger Fußballpionier FVH endlich der ersehnte Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse, andererseits bestimmten Wirtschafts- und Wohnungsnot den Alltag in der Kleinstadt am Fuße des Schlossbergs.

Geographisch gehörte der FVH dem Rheinbezirk im Süddeutschen Fußballverband an. Dieser gliederte sich in vier Kreise: Neckarkreis, Odenwaldkreis, Vorderpfalzkreis und den Hinterpfalzkreis. Der Hinterpfalzkreis bestand aus drei Gauen: Westpfalz (52 Vereine), Südwestpfalz (34 Vereine) und Saar (32 Vereine). Rein sportlich verlief die Saison 1924/25 für den Fußballverein ganz passabel. Mit einem Festakt wurde zuerst die fertig gestellte Tribüne am 17. August 1924 offiziell eingeweiht. Auf Grund einiger unglücklich verlorenen Spiele landete die 1. Mannschaft wie gehabt im Mittelfeld der A-Klasse Saarpfalz im Gau Westpfalz. Die 2. Mannschaft wurde Gaumeister der Westpfalz und die 3. Mannschaft schlug sich wacker. Erfolgreich agierte auch die 1. Jugendmannschaft, die sich den Gaumeistertitel sicherte. Klagen über das unhöfliche Verhalten der Jugend gegenüber dem Alter gab es auf der Generalversammlung des FVH. „Strenge Zucht sei angebracht.“

Weniger gut lief es für den Stadtrivalen von der Union. 1924 fusionierten die Unionisten mit der Turngesellschaft 1911 zur Turn- und Sportvereinigung Homburg, was sich jedoch nicht bewährte. 1925 wurde die Union als Sportklub Union 1925 Homburg-Saar wieder selbstständig.. Der Neuanfang wurde mit dem Abstieg aus der A-Klasse Saarpfalz in die C-Klasse bestraft. Politisch gab es zum Jahreswechsel 1925 eine gravierende Änderung für das Saargebiet. Am 10. Januar erfolgte nach fünfjähriger Übergangszeit die Eingliederung ins französische Zollgebiet. Die Umorientierung der saarländischen Wirtschaft vom deutschen zum französischen Markt brachte große Umstellungsprobleme mit sich. Der politische, wirtschaftliche und kulturelle Einfluss Frankreichs, die militärische Besatzung und die neue politische Grenze waren für die Mehrheit der Saarländer eine ständige Provokation.

Bei der Suche nach einem identitätsstiftenden Bereich angesichts machtpolitischer und wirtschaftlicher Ohnmacht fiel der Blick auf die Kultur und deren geschichtlichen Wurzeln. Da jede Art von politischen Tönen die Gefahr eines Eingreifens der Besatzungsmächte in sich barg, lag der Akzent auf der Darstellung einer tausendjährigen Kultur. Am 20./21. Juni 1925 feierten die linksrheinisch besetzten Gebiete die Jahrtausendfeier der Rheinlande (925 setzte König Heinrich I. über den Rhein und nahm Lothringen als 5. Herzogtum im Reich auf).

Sie wurde vor allem von den Vereinen getragen, die trotz Abtrennung von Deutschland Teil ihrer nationalen Verbände blieben. Die Feiern, Veranstaltungen und Ausstellungen sollten die Einheit der besetzten Rheinlande mit dem Reich demonstrieren, nicht zuletzt als eine kulturelle nationale Einheit. In diesem Rahmen spielte der FVH am 20. Juni gegen eine Landstuhler Städtemannschaft. 2:2 (1:1).

Zur Saison 1925/26 wollte es der FVH mal wieder wissen. Doch im Punktspielbetrieb wollte es nicht so recht klappen. Nach der 2:3-Niederlage im Rückspiel beim späteren Meister Spvgg Bubenhausen war der Meisterschaftszug abgefahren. Dafür klappte es in den Pokalspielen umso besser. In der dritten Runde unterlag die Spvgg Bubenhausen auf dem Schlossberg dem FVH mit 0:1 (0:0). Damit sicherte sich der FVH den Gaupokalsieg und die Spiele um den Kreispokalsieg gegen die beiden - leider bisher unbekannten – anderen Gaupokalsieger. Auch diese Spiele konnte der FVH erfolgreich bestreiten. Lohn für den Kreispokalsieg war die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Kreisliga mit den Meistern der vier A-Klassen.

Mit der Aussicht auf den ersehnten Aufstieg startete unser FVH furios in die Aufstiegsspiele. Der FC Rodalben wurde mit 6:0 (1:0) vom Berg gefegt, in Bubenhausen feierten über 100 Homburger einen 8:4 (3:2)-Erfolg der Blau-Weißen. Im dritten Spiel gewann der FVH gegen den SC Kaiserslautern mit 4:0 (1:0). Im Heimspiel gegen den VfL Kaiserslautern wollte der FVH alles klar machen, aber beim Stande von 2:1 (2:1) musste das Spiel wegen starker Regenfälle und der Unbespielbarkeit des Platzes abgebrochen werden. Im Rückspiel in Rodalben gab es mit 0:4 die erste Niederlage. Mit einer wahren Torflut - 10:1 (7:1) - gegen Bubenhausen sicherte sich der FVH den vierten Sieg und war nur noch theoretisch von einem Aufstiegsplatz zu verdrängen. Der SC Kaiserslautern wahrte mit einem 2:0 gegen den FVH seine allerletzte Chance. Allerdings ließ die Hautevolee nichts mehr anbrennen. Gegen den hoffnungslos unterlegenen VfL Kaiserslautern zeigten sich die Platzherren beim 8:3 (4:1) von ihrer besten Seite. Eine Woche zuvor unterlag der VfL zuhause mit 1:3 (0:2). Das große Ziel war endlich erreicht.

Mit einem Festabend feierte der Fußballverein seinen Erfolg. Adjunk Bernhard Friderich überreichte im Beisein der geladenen Nachbarvereine „das Wappen der Stadt in den Stadtfarben an die Ligaelf, das diese in Zukunft neben den Vereinsfarben in Ehren tragen möge.“ Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde Franz Bernhard zum Ehrenspielführer ernannt. Seit 1909 war das „Limbacher Fränzje“ beim FVH aktiv, davon 15 Jahre in der ersten Mannschaft.

In der neuen Umgebung fand sich der FVH schnell zurecht und startete mit zwei Siegen in die Saison. Gegen den späteren Meister VfR Pirmasens (heute MTV) gab es mit 3:7 (2:2) eine schmerzliche Heimniederlage. Letztendlich konnte die Klasse gehalten werden. Am Ostermontag, (18.04.) empfing der FVH den lothringischen Klub CS Orne Amneville auf dem Schlossberg. Das daraus resultierende Rückspiel am 14. August 1927 war das erste Auslandsspiel des FVH, dass er mit 1:5 (1:0) gewann. 1927 wurde der Kreis Hinterpfalz dem Saarbezirk zugeordnet. Die VB Zweibrücken und der FVH wechselten zur Saison 1927/28 in die Kreisliga Blies-Pfalz. Der Klassenerhalt war bei nur einem Absteiger (Germania Hassel) frühzeitig unter Dach und Fach. Am Ende reichte es mit knappen Vorsprung für den siebten Tabellenplatz.

Mittlerweile hatte die französische Inflation das gebeutelte Homburg erreicht. Die Kaufkraft eines Industriearbeiters sank bis Ende 1926 um 50%. Durch Entlassungen, Beurlaubungen (ohne Bezahlung) und Feierschichten verschlechterten sich die Einkommensverhältnisse dermaßen, dass deren Existenz bedroht wurde. Das Homburger Eisenwerk beschäftigte ursprünglich 2.300 Arbeiter. Im Frühjahr 1928 waren es noch 1.000, davon fuhren 900 wöchentlich ein bis zwei Feierschichten. Seit der Errichtung der Zollgrenze erlitt die Stadtgemeinde Homburg mit ihren ansässigen Gewerben, hauptsächlich das Kleinhandwerk und der Kleinhandel, bedingt durch den Verlust ihres Absatzgebietes einen ungeheueren wirtschaftlichen Schaden. Firmen verlegten ihren Sitz oder legten den Betrieb ganz still. Die Arbeitslosenzahlen explodierten.

Die nach dem Kriege herrschende Wohnungsknappheit verschärfte sich zu einer Wohnungsnot. Fünfköpfige Familien lebten zusammengepfercht in einem Raum, nicht selten achtköpfige Familien in zwei Räumen. Hauptgrund war das Verhalten der Regierungskommission, die ihren Beamten keinen eigenen Wohnraum bereitstellte. Stattdessen beschlagnahmte sie Wohnungen der Homburger Bürger. Die Regierungskommission erhielt zwar jährlich 10 Millionen Franken vom Reich zur Errichtung von Staatswohnungen, doch in der Saarpfalz wurde kein Geld investiert.

Diese Probleme brachten auch den FVH in Schwierigkeiten. Einerseits gerieten teilweise die Mitglieder mit ihren Beiträgen in Rückstand, andererseits drückten sich auch viele bei den Spielen mangels einer Umzäunung vor dem Kassierer. Zudem brachten die hohen Kosten für Fahrten und Verbandsabgaben den Verein zunehmend in Zahlungsnöte. Die sportlichen Leistungen ließen 1928/29 ebenfalls nach. Wegen einer fehlenden Spielberechtigung wurde der 3:2-Sieg gegen St. Ingbert für die Viktoria gewertet. Zusätzlich musste der FVH wegen einer Platzsperre Viktoria Hühnerfeld die Punkte kampflos überlassen. Mit nur vier Siegen reichte es punktgleich mit Hellas Bildstock nur zum zehnten Platz. In einem Entscheidungsspiel musste der zweiten Absteiger neben dem FV Rohrbach ermittelt werden.

Am 25. August 1929 kämpften Hellas Bildstock und unser FVH im Neunkirchener Ellenfeld um den Klassenerhalt. Beiden Mannschaften war die Spannung anzumerken. Die mit großem Anhang vertretenen Homburger fanden zuerst ins Spiel und vergaben etliche Tormöglichkeiten. Nach einem Konter stand es überraschend 0:1. Der FVH drängte und nach einer schönen Kombination erzielte Bernhardt den Ausgleich. Kurz darauf traf E. Zwing nur die Latte des Bildstocker Gehäuses. Fast mit dem Pausenpfiff die kalte Dusche für den FVH. Aus klarer Abseitsposition traf der Hellas-Linksaußen zur erneuten Führung. Mit der Sonne im Rücken drückte der FVH nach dem Seitenwechsel den Gegner in seine Hälfte. Latte, Pfosten und die vielbeinige Abwehr verhinderten den Ausgleich. Mit einem „unverhofften Prachtschuß“ aus 20 Metern gelingt Mittelstürmer Schwab der hochverdiente Ausgleich. Nach einer abgewehrten Ecke dann endlich der Führungstreffer für die Blau-Weißen. Über den sich werfenden Torwart bugsierte der Halblinke Bernhardt das Leder zum 3:2 in die Ecke. Hellas hatte nichts mehr entgegenzusetzen und fand sich mit dem Abstieg ab.

Für große Jubelfeiern blieb nach diesem Kraftakt keine Zeit. Bereits eine Woche später begann am 1. September die neue Spielzeit 1929/30. Ein Platz unter den ersten Fünf musste her, um bei einer eventuellen Änderung des Spielsystems auch weiter in der zweiten Klasse zu spielen. Zum Auftakt kassierte der FVH ein 5:1 bei der Spvgg Elversberg. Dies sollte aber ein Ausrutscher bleiben. Mit einem Siegeszug und dem dritten Tabellenplatz wurde das angestrebte Saisonziel erreicht. Angenehmer Nebeneffekt war ein warmer Geldregen durch steigende Zuschauerzahlen, die die Schulden des Vereins um ein Drittel sinken ließen.

Zwischenzeitlich blieb auch die Union nicht untätig. Am Eigenheim im Bereich des heutigen Jahnplatz bzw. Waldstadion legte der Sportclub einen neuen Sportplatz an. Den alten Platz am Eckertsweg benutzte nun die DJK Homburg. Durch Niederlegung eines Waldstückes wurde der Platz auf 110 mal 60 Meter vergrößert. Damit verfügte Homburg über einen zweiten guten Sportplatz, der den Anforderungen entsprach.

Das Eröffnungsspiel zwischen dem FVH und der Union endete am 31. Mai 1930 mit einem standesgemäßen 5:2 (4:1) für den Kreisligisten. Klein und Künstler brachten den FVH mit 2:0 in Führung, ehe die Union per Freistoß verkürzen konnte. Fünf Minuten vor der Pause erhöhte Nunold mit einem Doppelpack auf 4:1. Nach der Pause verpasste der FVH-Innensturm etliche Tormöglichkeiten. Lediglich Bernhardt konnte nach einer Stunde Spielzeit den fünften Treffer nachlegen. Wiederum per Freistoß konnte die Union den 5:2-Endstand herstellen. 

 

 

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TABELLE

1. Homburg 0    0
2. Jägersburg 0    0
3. Morlautern 0    0
4. Pfeddersheim 0    0
5. Diefflen 0    0
6. Gonsenheim 0    0
7. Karbach 0    0
8. Koblenz 0    0
9. Mechtersheim 0    0
10. Salmrohr 0    0
11. Idar-Oberstein 0    0
12. Dudenhofen 0    0
13. Eppelborn 0    0
14. Engers 0    0
15. Saar 05 0    0
16. Wiesbach 0    0
17. Trier 0    0
18. Kaiserslautern 0    0
19. Pirmasens 0    0
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