INFLATION UND FUSSBALLBOOM

Im vierten Teil der FCH-Chronik geht es um die Nachkriegsjahre 1919 bis 1924. In den Krisenjahren von 1919 bis 1923 hatte die Weimarer Republik mit den unmittelbaren Kriegsfolgen, einer Hyperinflation sowie zahlreichen Umsturzversuchen und politischen Morden zu kämpfen. Der Versailler Vertrag schuf mit dem Saarstatut ein neues Ländergebilde. Trotz der schwierigen Lebensumstände trat der Fußballsport seinen Siegeszug an. Dies machte sich auch beim FV Homburg bemerkbar. Der Mitgliederstand stieg von 180 (1919) über 221 (1920) auf 311 Mitglieder (1921) an.

Mit Abschluss des Waffenstillstandes am 11. November 1918 räumte die deutsche Armee das linke Rheinufer. Im November 1918 ordnete das Reichsamt für wirtschaftliche Demobilmachung an, dass die reguläre tägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten dürfe. Gleichzeitig brach durch die von der Front zurückkehrenden Soldaten aber auch ein bisher nicht dagewesener Boom aus. Viele Soldaten kamen erstmals an der Front mit dem Fußball in Kontakt und wollten nun auch zu Hause spielen. Bereits am 20. November 1918 rief der FVH seine Mitglieder zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs auf. Einen Tag später begann die französische Armee mit der Besetzung des Saargebietes. Am 1. Dezember 1918 folgte die Pfalz. Die Besetzung brachte für die Bevölkerung erhebliche Einschränkungen der Versammlungsfreiheit, der Freizügigkeit, des Post- und Fernmeldegeheimnisses und der Meinungsfreiheit mit sich.

Grubenstreiks zur Durchsetzung des Achtstundentags werden im Dezember von Frankreich unterdrückt. Der Personen-, Waren- und Fernmeldeverkehr zwischen der Pfalz und dem rechtsrheinischen Deutschland war seit 27. Dezember 1918 völlig gesperrt. Personen- und Güterverkehr durfte nur tagsüber und innerhalb der Ortschaften stattfinden. Der Post- und Fernsprechverkehr unterlag der Kontrolle, das gesamte Presse- und Verlagswesen der Zensur durch die Besatzungsmacht. Im März/April 1919 folgten weitere Grubenstreiks. Insgesamt wurden über 400 Bergarbeiter ausgewiesen. Ein von Tumulten und Plünderungen begleiteter Generalstreik (7.10.1919) veranlasste die Militärverwaltung zu Verhandlungen mit den Gewerkschaften, die zu wirtschafts- und kommunalpolitischen Versprechungen führten. Die Arbeitszeitverkürzung war die wichtigste Voraussetzung für die Ausbreitung des Fußballsports unter der Arbeiterschaft.

Die Mitgliederzahlen der bestehenden Vereine stiegen sprunghaft an und es kam zu einer zweiten Welle von Vereinsgründungen. In Homburg gründete sich ein zweiter Fußballverein, der sich FV Homburg-Süd nennen wollte. Der FV Homburg machte wegen der Verwechslungsgefahr der Vereine beim Verband von seinem Vetorecht Gebrauch. Daraufhin nannte sich der neue Verein Sportklub Union Homburg. An der Kirrberger Straße (Bereich Listerstr.) entstand der erste Sportplatz der Union, der aber nur kurze Zeit als Spielstätte diente. Bereits 1921/22 musste der Verein einen neuen Platz am Eckertweg zwischen Friedhof und Schießhaus anlegen.

Mit vier Mannschaften begann der FVH den regulären Spielbetrieb nach Kriegsende. Am 28. September 1919 gab es zum Auftakt einen 8:0 (1:0)-Auswärtssieg beim FC Münchweiler in der drittklassigen B-Klasse Hinterpfalz Gruppe 2. Wegen einer dreiwöchigen Verkehrssperre wurden die Verbandsspiele vom 27. Oktober bis zum 15. November 1919 unterbrochen. Weitere Gegner waren der FC Dahn, SV Phönix Kaiserslautern, Viktoria St. Ingbert, die FG 1911 Kaiserslautern und der FV Landstuhl.

Im Januar 1920 traten die Bestimmungen des Versailler Vertrags in Kraft. Zusammen mit dem südlichen Teil der preußischen Rheinprovinz bildeten das Bezirksamt St. Ingbert sowie Teile der Bezirksämter Homburg und Zweibrücken schließlich das neu konstruierte „Saargebiet“, das dem Völkerbund unterstellt wurde. Die Abtrennung der Saarpfalz von Bayern hatte zwei Gründe: Zum einen rekrutierten sich die Arbeiter der Gruben und Hütten auf ehemals preußischem Gebiet zum Teil aus diesem Areal, zum anderen sollte eine Art „Pufferzone“ zur Pfalz geschaffen werden. Die Militärverwaltung wurde am 27. Februar 1920 durch eine Regierungskommission des Völkerbundes abgelöst. Für 15 Jahre gehörten Frankreich die Eigentumsrechte an den saarländischen Kohlengruben und an den Eisenbahnen. Währungseinheit blieb bis zum 1. Juli zunächst noch die Mark. Vom 1. Juli 1920 bis zum 1. Juni 1923 waren im Saargebiet zwei Währungen gültig: die inflationsgefährdete Mark und der französische Franken. Die Beschäftigten der Saargruben wurden in Franken entlohnt.

Neben dem Deutschen Fußball-Bund organisierten sich die Fußballer in den Anfangsjahren auch in anderen Verbänden, die ebenfalls deutsche Fußball-Meisterschaften veranstalteten. So trug der Arbeiter- Turn- und Sportbund (ATSB) zwischen 1919 und 1932 Meisterschaften aus. In Homburg organisierten sich die Arbeiter seit 1912 in der „Freien Turnerschaft Homburg“ (1923 Umbenennung „Freier Turn- und Sportverein Homburg“), deren Fußballabteilung im Frühjahr 1920 ins Leben gerufen wurde. Daneben gab es auch kirchliche Verbände, die Meisterschaften veranstalteten. Die Deutsche Jugendkraft (DJK) war der Sportverband der katholischen Kirche und trug unregelmäßig Meisterschaften aus. In Homburg spielte der katholische Jünglingsverein schon seit 1911 Fußball und hatte ab Ende 1920 mit der DJK Homburg einen entsprechenden Sportverein. Der Sportplatz an der Entenmühle wurde ab 1921 von den „Freien“ mitbenutzt.

Die Anzahl der spielenden Mannschaften stieg 1920 drastisch an. Wegen der Zunahme erfolgte eine Neueinteilung der Spielklassen. Der FV Homburg wurde der A-Klasse Westpfalz zugeteilt. Waren es vor dem Kriege nur drei Klassen, gab es zur Saison 1919/20 bereits vier Ligen. 1923 waren es schon fünf Spielklassen. Auf dem Darmstädter Verbandstag im Juli 1921 wurde eine Neuordnung der Spielklassen beschlossen, die sich in mehrere Etappen bis ins Jahr 1924 zog. In der zweitklassigen A-Klasse Westpfalz konnte der FVH 1920/21 nur zwei Spiele gewinnen. Beide Siege gelangen gegen das Schlusslicht Landstuhl (Heim 6:0, auswärts 3:0).

Im Frühjahr 1921 organisierte sich dann auch der Schüler- und Jugendfußball in der Westpfalz. In drei Bezirken wurde um Punkte gekämpft. Im Bezirk 2 spielten die Mannschaften aus dem Raum Homburg, Limbach und Waldmohr. Die Zusammensetzung der Mannschaften bot eine Besonderheit. In einer Jugendmannschaft durften nur Jugendliche spielen, die bis am 1. April das 17. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten und in keiner aktiven Mannschaft spielten. An den Schülerspielen konnte jeder Schüler einer staatlich anerkannten Schule ohne Altersbeschränkung teilnehmen.

Am 5. Juni 1921 wurde das Kriegerdenkmal auf dem Sportplatz Schloßberg eingeweiht. Im Zuge der politischen Veränderungen wurde die A-Klasse im Gau Hinterpfalz in zwei Gruppen unterteilt. In Bezirk 1 nahmen neben dem FVH die aus der B-Klasse kommenden Vereine FV Viktoria 1919 Mittelbexbach, FC Ingobertia 1910 St.Ingbert, FC Palatia 1916 Limbach und SC Union Homburg an den Spielen der A-Klasse teil. In der A2- Klasse errang der FVH II gegen den SV Phönix Kaiserslautern am 12. März 1922 die Gaumeisterschaft. Die Inflation machte sich auch an den Eintrittspreisen bemerkbar. Betrug im Mai 1919 der Obolus noch 30 Pfennige, mussten die Besucher 1921 schon 4 Mark berappen. Mit der Einführung der Lustbarkeitssteuer auf Turn- und Sportveranstaltungen sorgte die Stadtverwaltung Homburg für Unmut. Die Eintrittspreise mussten im März 1922 abermals erhöht werden. Die Vereine intensivierten ihre Zusammenarbeit und am 24. Mai 1922 wurde der Stadtverband für Leibesübungen gegründet. Ihm gehörten acht Vereine aus Homburg und „Annexen“ an.

Den 1. Vorsitz hatte Theo Weiß (FVH) inne. Zweiter Vorsitzender war Herr Maurer (TVH), Kassierer Herr Salmon (Radfahrerverein) und Schriftführer Herr Löw (FVH). Bereits 1920 hatten sich die Arbeitervereine im „Freien Sportkartell“ organisiert.

In der Saison 1922/23 verpasste der FVH nur knapp die Meisterschaft in der A-Klasse Saarpfalz. Eine einzige Niederlage bei Palatia Limbach (0:1) genügte, um Viktoria Mittelbexbach den Vortritt zu überlassen.

Mit der Einführung des Französischen Francs als alleinigem Zahlungsmittel am 1. Juni 1923 blieb der saarländischen Bevölkerung die Endphase der Hyperinflation im Deutschen Reich erspart. Die Stadt und der Bezirk Homburg hatten infolge der Gesamtentwicklung wirtschaftlich besonders hart zu kämpfen. Durch die Grenzziehung wurde Homburg von seinem natürlichen Hinterland und Versorgungsgebiet abgetrennt. Die neu hinzugekommenen Bliestalorte konnten den Verlust nicht kompensieren. Mit einer Ausstellung für Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie wurde die Leistungsfähigkeit des neuen Bezirks vorgestellt.

Seine Leistungsfähigkeit zeigte auch der Wiener Athletik-Club am 18. August 1923. Erstmals gastierte ein ausländischer Erstligist auf dem Schloßberg. Das zahlreiche Publikum hatte allerdings nur eine knappe halbe Stunde Zeit das hervorragende Spiel der österreichischen Profis zu bestaunen. Wegen eines schweren Gewitters musste das Spiel beim Stande von 0:2 abgebrochen werden.

Am 1. September 1923 verkündete die Turnerschaft einseitig die „reinliche Scheidung“ zwischen Turnen und Sport, nachdem die Sportverbände den Kompromiss der Gründung eines gemeinsamen Deutschen Bundes für Leibesübungen ablehnten. Während des Ersten Weltkriegs war es zu einer Annäherung zwischen Turnern und Sportlern gekommen. 1920 erlaubte dann die Deutsche Turnerschaft den Fußballabteilungen ihrer Vereine die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft des DFB. Der Konflikt zwischen Turnern und Sportlern brach bereits am 28. November 1920 wieder auf, als einige Sportverbände die Deutsche Turnerschaft aufforderten, einem Fachverbandssystem zuzustimmen.

Die Folge war die Trennung zahlreicher Vereine. Die Spielabteilungen wie Fußball, Handball und anderen Mannschaftssportarten trennten sich von den Turnern und machten sich selbständig. Die Fußballabteilung des TV 1899 Bubenhausen wurde als SpVgg 1919 Bubenhausen (heute TSC Zweibrücken) selbständig. Die übrigen in der Deutschen Turnerschaft verbliebenen 676 Fußballabteilungen nahmen an der Fußballmeisterschaft der Turner teil. Auch der Turnverein und die Turngesellschaft Homburg nahmen daran teil.

Im Februar / März 1924 schuf der FVH dringend benötigte Räumlichkeiten für die Mannschaften. Die Errichtung einer Tribüne mit 216 Sitzplätzen bedeutete eine erhebliche Aufwertung des Sportplatzes und schuf auch eine neue Einnahmequelle. Neben den zwei Umkleideräumen befand sich auch ein Schankraum im Inneren der Tribüne. Mit dem Verkauf von Anteilsscheinen und Darlehen vom Süddeutschen Fußballverband, der Karlsberg Brauerei, der Bank Grohe-Henrich und der Firma Friedrich Söhne wurden die Baukosten von 48.000 Franken finanziert. Diese Schulden sollten den Verein in den nächsten Jahren vor Probleme stellen.

 

 

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Alle Spiele im Überblick

TABELLE

1. Homburg 4    12
2. Diefflen 4    10  10
3. Pirmasens 4    9
4. Pfeddersheim 4    7
5. Karbach 3    7
6. Trier 4    6
7. Gonsenheim 4    6
8. Morlautern 3    6
9. Engers 3    6
10. Wiesbach 4    -1  5
11. Eppelborn 4    -2  4
12. Mechtersheim 4    -7  4
13. Jägersburg 4    3
14. Salmrohr 4    -1  3
15. Kaiserslautern 4    -3  3
16. Idar-Oberstein 4    -3  3
17. Koblenz 4    -3  2
18. Saar 05 3    -4  2
19. Dudenhofen 4    -5  1
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